für Ärzte, Heilpraktiker, Fachpersonal

Tipp 1:

Überbringung der Diagnose

Bitte beachten Sie, dass die Diagnose Krebs Ihre Patienten schockieren wird. Sie alle kennen die klassischen Schocksymptome. Bitte beachten Sie aber auch die Erkenntnisse der Hirnforschung, die besagen, dass in einer Angst- oder Schocksituation gehirntechnisch nur noch Notfallprogramme ablaufen. Sicherlich haben Sie von den 3 F’s gehört: Fright, Fight, Flight, also:
1. das innerliche Erstarren, Einfrieren
2. kämpferisches Verhalten entwickeln, was allerdings in dieser Situation eher selten ist, oder
3. die innerliche, manchmal auch äußerliche Flucht.

Sie haben also in dieser Situation nicht die Möglichkeit logisch mit Ihren Patienten zu sprechen! Daher unsere dringende Bitte: machen Sie einen 2. Termin aus, um erst dann mit Ihrem Patienten die weitere Behandlung und deren Alternativen durchzusprechen. Laden Sie zum Ersttermin auch einen vertrauten Menschen mit ein, der sicherstellen kann, dass Ihr Patient sicher nach Hause kommt und sozialen Halt bekommt. Danke!

Tipp 2:

Der Wunsch nach Prognose

„Herr Doktor, wie lange habe ich denn nun noch?“ Dieser verständliche Wunsch, einer drohenden Gefahr irgendwie eine Berechenbarkeit zu geben, ist ganz klar nachvollziehbar. Leider haben wir immer wieder erlebt, dass Ärzte, im Sinne einer vollständigen Aufklärung, sich verleiten lassen, den Patienten eine in Jahren, manchmal sogar Monaten bemessenbare Zahl zu sagen. Bitte erinnern Sie sich dann an Ihr Wissen über sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Diese, in einer Schocksituation, mitgeteilte Zahl hat verhehrende Wirkung auf das Unterbewußtsein Ihrer Patienten. Sie sind in diesem Moment vermeintlich der einzige Mensch, der Hilfe oder Rettung anbieten kann. Ihrem Urteil wird absolut vertraut.

Daher wirkt eine solche Aussage :“Wenn es gut geht, dann haben Sie noch X Jahre…“ wie eine Tatsache und wird ganz tief in der Seele abgespeichert. Sicherlich verweisen Sie auf Statistiken und eigene Erfahrungen. Bitte erklären Sie aber den Patienten auch, dass Statistiken nur über ein Krankheitsbild etwas aussagen und nicht über den Patienten, der gerade Ihnen gegenübersitzt, denn der ist noch nicht Teil der Statistik!! Auch hat jede Statistik eine Bandbreite (Range), und keiner kann wissen an welcher Stelle der Bandbreite unser Patient sein wird. Bitte machen Sie diese Dinge deutlich, denn Patient wird sehr genau zuhören. Er will es wissen! Etwas, das keiner wirklich wissen kann!

Tipp 3:

Empfehlen Sie psychoonkologische Betreuung!

Gerade von Anbeginn einer Behandlung ist es enorm wichtig, dass der Patient eine psychoonkologische Beratung erhält. Ganzheitlich ausgebildete Berater können Hand in Hand mit Ihnen für das Wohl der Patienten zusammenarbeiten. Studien belegen eindeutig, dass früh einsetzende Beratung einen wesentlichen Faktor für die Genesungsaussichten der Patienten haben. Falls Sie unsicher sind, ob Ihr Patient Beratung benötigt, greifen sie auf den bewährten Fragebogen Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-D) zurück. Durch diesen kurzen und einfachen Test fühlt sich Ihr Patient gut beraten durch sie und es können rechtzeitig Beratungsbedarfe aufgezeigt werden.

Tipp 4:

Verbessern Sie Ihr Qualitätsmanagement!

Immer mehr Auflagen und Regularien kommen auf die Praxis und Ihre Arbeit zu. Wie wäre es Ihren Qualitätsmanager einmal zu überraschen und dem ganzen Praxisteam die S3 Leitlinie zur psychoonkologischen Betreung von Krebspatienten vorzustellen? Sie könnten sicherlich Punkten und Ihre Patienten werden es Ihnen danken! Wir helfen Ihnen dabei gerne!

Tipp 5:

Bleiben Sie authentisch!

Die Patienten von heute sind nicht mehr so, wie vor 10 Jahren. Durch die Möglichkeiten der digitalen Informationsflut wollen sie mehr beteiligt werden an den Behandlungsentscheidungen. Sie lesen im Internet nach und informieren sich über neue Behandlungsmöglichkeiten. Manchmal kommen sie mit Themen, die Sie selbst vielleicht noch nicht gehört haben. Bitte erklären Sie in solch einem Fall, dass Sie diese Möglichkeit noch nicht kennen, aber dankbar für den Hinweis sind.

Sie können sich nach der Sitzung informieren und beim nächsten Treffen dieses Thema aus Ihrer Sicht nochmals aufgreifen. Bitte vermeiden Sie es ein Thema abzuwerten, nur weil Sie es nicht kennen und sich keine Blöße geben wollen. Ihr Patient spürt schnell, ob Sie dazu wirklich Wissen haben oder nicht. Sie schaffen Vertrauen, wenn Sie auch einmal eine Informationslücke zugeben!

Vielen Dank für Ihr Interesse!