Dies ist der 2. Teil aus der Reihe Salutogenese

Heute dreht es sich um das nächste Stichwort zur Erreichung eines gesunden Kohärenzgefühles: die Handhabbarkeit. Auch dieser Beitrag ist ein Teil meines Buches „Diagnose Krebs, und nun?“

Wenn Sie im ersten Teil dieser Reihe mit dem Titel „Verstehbarkeit“ erfasst haben, dass Ihr Tun Ihr Schicksal bestimmt, dann geht es beim nächsten Schritt in der Salutogenese darum, die Handhabbarkeit in Ihr Leben einzuladen. Wenn für uns etwas handhabbar ist, dann haben wir die Fähigkeit, gut damit umzugehen, konstruktiv und lebensförderlich.

Der für Ihr Immunsystem schlimmste Zustand ist das Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht. Genau diese Gefühle sind allerdings nach einer Erstdiagnose vorhanden und nehmen auch immer wieder das Bewußtsein gefangen. Die daraus entstehende Lähmung und Hoffnungslosigkeit schränken die Handlungsfähigkeit sehr stark ein. Eine Phase, in der sich sogar eine depressive Verstimmtheit oder sogar eine ausgewachsene Depression einstellt, ist möglich. In dieser Zeit ist es fast unmöglich in eine positive Handlungsbereitschaft zu kommen, denn die Tendenz geht eher ins Gegenteil: Decke über den Kopf und eine „lasst mich alle in Ruhe“-Mentalität macht sich breit. Wenn es soweit gekommen ist, dann hilft eigentlich nur noch der Gang zum Facharzt und eine Zeit lang sollten vielleicht auch Antidepressiva genommen werden. Das selbst gemachte Gefühl vom Fehlen der Handlungsfähigkeit könnte eventuell das Krebswachstum beschleunigen und dann wird Heilung wesentlich schwieriger.

Wenn Sie also Tendenzen von „ich kann ja doch nichts machen“ bei sich entdecken, dann machen Sie sich bitte folgende Sichtweisen zu eigen:

Diese Stimme in Ihnen, die vielleicht die Flinte ins Korn werfen möchte gehört einem inneren Anteil von Ihnen, der sich in Ihrem Leben Gehör verschaffen will. Dieser Anteil vertritt meist ein Bedürfnis, dem Sie vielleicht lange in Ihrem Leben keinen Raum gegeben haben. (Sie erinnern sich, das Raumgeben ist ein wichtiger Aspekt der inneren Arbeit!) Also wird es jetzt Zeit diesem Anteil von Ihnen Achtsamkeit und Gehör zu geben.

Ein Patientin von mir beschrieb diesen Anteil in einer Trancereise, die wir zu einer inneren Theaterbühne machten und auf der sich dieser Teil zeigen durfte, folgendermaßen:

Ich sehe eine dunkle Bühne auf der kauert eine einsame Gestalt. Sie ist nicht sehr alt, eher wie ein Kind. Es wiederholt dauernd, ‘ich kann das nicht‘. Es sehnt sich danach, dass jemand kommt und das Tun für das Kind übernimmt. Es will sich irgendwo ankuscheln, beschützt und an die Hand genommen werden.“

Vielleicht können auch Sie sich in dieses innere Bild einfühlen und spüren dabei ihr eigenes inneres Kind.

In der Arbeit mit der Patientin haben wir dann auf die Bühne einen inneren Anteil eingeladen, der sehr tatkräftig, aber auch fürsorglich war und dem Kind erst einmal Trost geben konnte, dann aber das Kind auf die Schulter setzte und mit ihm zusammen die Dinge anpackte, die es zu tun gab. Im Kontakt mit diesem starken Anteil, aber auch in der Geborgenheit des inneren Kindes, ergriff die Patientin wieder das Ruder und begann mit der Therapie.

Jetzt stellen sich natürlich wieder die Fragen nach welcher Therapie.

Wie soll ich denn mit meinem Krebs anders umgehen als mich mit den schulmedizinisch empfohlenen Maßnahmen behandeln zu lassen? Diese Frage ist leider immer noch typisch für etwa 80 Prozent der an Krebs erkrankten Menschen. Leider weisen die behandelnden Ärzte, wie schon vorher erwähnt nicht auf andere Methoden hin, noch nicht einmal begleitend. Also fängt hier der Auftrag des mündigen Patienten an, den Umgang, die Handhabung mit der Erkrankung und jetzt mit der Genesung, nicht nur seinem behandelnden Arzt zu überlassen, sondern wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Handhabbarkeit heißt also auch, Eigeninitiative zu ergreifen, sich Informationen einzuholen, Zweit- und Drittmeinungen zu hören und lesen, lesen, lesen.

Dass Sie diesen Blog lesen kann bedeuteten, dass Sie tatsächlich daran glauben, dass es so etwas wie die Psyche gibt, diese einen wichtigen Einfluss auf Ihren Körper hat und dass Sie vielleicht sogar auch daran glauben, wieder gesund werden zu können. Dadurch können Sie Ihre Handlungsmöglichkeiten erhöhen und sind jetzt schon positiv in Ihren Genesungsprozess eingestiegen. Wenn Sie jetzt zum Beispiel die Hilfe einer/s psychoonkologischen BeratersIN in Anspruch nehmen, kann sich das Gefühl der positiven Handlungsfähigkeit erhöhen.Sie tun aktiv etwas für Ihre eigenen Heilungsschritte! Dieser Weg beginnt mit dem ersten kleinen Schritt!